Neuigkeiten

Shetland

Jamieson & Smith

Eigentlich wollte ich im Neuen Jahr nicht schon wieder anfangen. Also was Neues meine ich. Also was zum Stricken, natürlich! Ja und dann kamen mal wieder die Erinnerungen an das letzte Jahr hoch, für alle, die ich jetzt langweile… Shetland, natürlich, was sonst. Aber bei solchen Farben und bei solch einem Licht, was bleibt mir anderes übrig. Ich kann gar nicht anders. Meinen Hansel aus meiner sehnsüchtig erwarteten Jamieson and Smith habe ich ja schon länger fertig und so plane ich nun in den Naturtönen der Shetland Heritage. Vielleicht den Puffin von Kate Davies, den Ella Gordon in den Naturfarben bereits gestrickt hat. Hm, mal sehen, zunächst bestaune ich einfach nur die Farben und das Garn. Ella hat auf ihrem Blog noch mehr Vorschläge, einfach traumhaft. Shetland Heritage schafft es, die ursprünglichen Eigenschaften eines Handgesponnenen Garns, dem Handspun ‚wursit‚ wieder aufleben zu lassen, wie es in den alten Fair Isle Kleidungsstücken aus den Archiven des Shetlands Museums verwendet wurde. Wollexperten, Fachleute, Kuratoren und Strickerinnen haben zusammen gearbeitet, um es zu entwickeln und zu testen. Shetland Heritage ist etwas feiner und viel weicher, als das übliche Garn, welches heute zum Fair Isle stricken verwendet wird. Shetland Wool Brokers Ltd., Shetland Museum und Archives, Curtis Wool Direct und Jamieson & Smith (Shetland Wool Brokers) Ltd. sowie der Shetland Amenity Trust haben dieses Garn als Teil eines Kooperationsprojektes entwickelt. Ja, ich denke mal, ich muss mich hier um meine Wolle kümmern- es kribbelt mich- in den Fingern…und so wünsche ich allen noch nachträglich auch im Namen der Stil-Blüten und unseres Ladenhüters ein gesundes Neues Jahr 2017, mit viel Zeit für neue Projekte und Ideen. … weiterlesen

Uradale Farm

Zum guten Schluß des Jahres 2016 schwelge ich nochmals in Erinnerungen. Shetland war und ist eine Reise wert und hat mich tief beeindruckt. Die Insel und die Art der Shetlander hat mich in ihren Bann gezogen. Vieles geht und vieles geht eben nicht- aufgrund des Wetters, der Lage und damit muss man leben, oder eben woanders hinziehen. Nicht ohne Grund kehren aber die meisten Insulaner nur sehr kurz ihrer Insel den Rücken. Das liegt zum einen an der Landschaft und dem unglaublichen Licht, zum anderen an der Lebensqualität und Ruhe, die man hier in vollen Zügen genießen kann. Die Arbeit bleibt weiterhin hart, doch irgendwie entschädigt einen das drum herum. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Ronnie und seine Frau Sue ihre Uradale Farm trotz aller Unkenrufen zum trotz weiterhin Voll-Bio bewirtschaften, obwohl sie viele Hürden nehmen mussten. Ronnie und seine Frau Sue wollten anfangs eigentlich nur das Fleisch ihrer seid altes her auf Shetland lebenden Kühe und Schafe vermarkten. Allerdings sind diese beiden alten Rassen viel kleiner als die gewöhnlichen Zuchtexemplare und so fand sich anfangs kein Schlachter, der sich dieser Kleinen annehmen wollte- zu wenig Fleisch. Ronnie hatte zwar mit Widerstand gerechnet, aber dass sich erst in London ein Metzger fand, der seine Tiere verarbeiten wollte, schmerzt ihn noch heute. Das seien alles die Ölplattformen schuld, mit denen seien die Supermärkte gekommen und mit denen abgepacktes Fleisch und Leute ohne Geschmack. Aber nicht nur die Öl-Leute ärgern Ronnie, an seinem Stall hängt ein riesiges Euro-Schild und er reagiert äußerst empfindlich, wenn er auf den Brexit angesprochen wird. Seine Schafe müssen ja auch gar nicht geschlachtet werden, finde ich zumindest, denn die Farben sind einfach einmalig. So und jetzt achtung Bilderflut- wie gemalt: Und was mich am meisten von allem beeindruckt hat, sowohl die Kühe als auch die Schafe bleiben das ganze Jahr über auf der Weide und die Kälbchen und kleinen Schäfchen bleiben bei ihren Müttern und auf dem Kuhbild, ich hoffe man kann es erkennen, trinkt ein Kälbchen bei seiner Mutter. Ich weiß wirklich nicht, wann ich das zum letzten Mal gesehen habe. Ich glaube im Österreich Urlaub, wo ich als Teenager etwas schlecht gelaunt, voll überflüssig einen Weg hochmarschierte zu irgendeiner Alm- also eine Ewigkeit. Aber jetzt genug, die Stil-Blüten wünschen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017 und schwelgen einfach noch ein wenig in Erinnerungen und stricken dazu mit der schönen Wolle von noch schöneren Schafen von der Uradale Farm in Scalloway, Shetland. … weiterlesen

Handschuhe made in Estonia

Ein weiterer Kurs, den ich in Shetland gemacht habe und der mich sehr fasziniert hat. Unter der Leitung der bekannten Strickdesignerin und Autorin der Bücher Estonian Knitting und Ornamented Journey, Kersti Joeste, war schnell klar, dass ich viel zu locker bin. Diese Handschuhe werden mit Stricknadeln der Stärke 1.25mm gestrickt. Ich hatte vorher noch nie mit dieser Nadelstärke gestrickt und irgendwie sah ich vor lauter Maschen die dünnen spitzen Nadeln nicht. Zum Glück ging es mir nicht alleine so und auch sehr schnell gewöhnte ich mir Dinge ab, die ich sonst bei der Verwendung von Nadelspielen aus Gründen der Schnelligkeit immer gemacht hatte. Das Weiterschieben der Nadel am Oberkörper sollte man tunlichst lassen, diese Nadeln gehen so ziemlich durch alles sehr gut durch und hinterlassen ein sehr lustiges Punktemuster im Brustbereich. Kersti erzählte uns von der Tradition der Estländer, alles mit so kleinen Nadeln zu stricken. Sie selbst habe nie eine größere Nadel als 3mm in ihrem Leben verwendet. Sie hatte eine beeindruckende Anzahl selbst gestrickter Handschuhpaare dabei, für die sie im Durchschnitt 25 Stunden braucht. Auch ihre wunderschöne Strickjacke wurde mit Nadelstärke 2mm gestrickt und danach bestickt. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass der Rock auch selbst gemacht war. Es gibt 6 verschiedene Arten estländische Handschuhe zu stricken, je nachdem aus welcher Region diese stammen- auch die verwendeten Farben variieren je nach Region: Stranded Knitting: Stricken mit 2 Farben, bei dem die nicht gestrickte Farbe hinter der gestrickten Farbe weitergeführt wird. Laces: wunderschöne Spitzenmuster Inlays: umwickelte Maschen, die fast den Anschein haben, es sei nachträglich ein Muster aufgestickt worden Knitted or sewn fringes: gestrickte oder angenähte Fransen Intarsia Motivs: mehrfarbige Motive, bei denen die Farben nicht mitgeführt werden, sondern auf der Rückseite verkreuzt werden. Embroidery: gestickte Motive Einige Handschuhe kombinieren auch verschiedene der o.g. Arten. Es gibt mehrere Anschlagsarten, natürlich- 6 verschiedene Arten der Fingerabnahmen und insgesamt gesehen, ist diese Art des Handschuhstrickens Kunst. Sie sind sehr sehr fest und starr, laut Kersti müssen sie das sein, damit sie lange halten und dem Dauergebrauch trotzen. Sie erzählte uns von einem der ältesten Strickfunde aus dem 14. Jahrhundert, einem Handschuh aus Estland. Ich habe lange mit den Nadeln gekämpft, aber nach 7 Stunden ging es verhältnismäßig flott von Statten. Leider war mein Strickstück doppelt so groß, wie bei allen anderen, da Engländer und Amerikaner eine andere Stricktechnik anwenden. Kersti war das alles viel zu locker und es half auch nichts, dass mein Handschuh am Ende der Kurses fast fertig war. Viel zu locker, Du musst Deine Technik ändern- war ihr abschließendes hartes Urteil. Na ja, dachte ich bei mir, auf kleinere Nadeln kann ich ja nicht gehen. Dann habe ich noch ein wenig probiert und bin zum Entschluss gekommen, nein, ich ändere meine Stricktechnik nicht. Ich bin sehr zufrieden damit und diese Handschuhe stricke ich anders. Dann ist es entgegen der Estländischen Tradition, aber da ich das stricken von meiner Oma gelernt habe, stricke ich eben nach meiner Tradition. Natürlich sind sie nicht so fest, aber ich habe kleine zarte Hände, das müssen sie somit auch nicht sein. Zum Glück ist es ja Handarbeit und ich hoffe, dass mir Kersti und die Estländer es nicht übel nehmen, dass ich diese Handschuhe mit 2.25mm stricken werde und eben ein wenig anders. Auf alle Fälle war es ein toller Kurs mit vielen neuen Ideen und einer amüsierten Kersti, die uns geduldig alles erklärte und anhand ihrer farbenprächtigen Muster- Handschuhe ehrgeizig gemacht hat. … weiterlesen